Zum dritten Advent

Eine Hunde-Weihnachtsgeschichte

 

Wir Hunde haben es schwer - besonders in der Vorweihnachtszeit.

Ständig reagieren unsere Menschen in diesen Wochen vollkommen grundlos wütend und gereizt.

 

Dieses Jahr fing das bei meiner Familie wieder so um die Zeit des „Schuhe-raus-Tages“ an ...

An diesem Tag rangierten sie jeder einen Schuh aus, den sie dann vor ihre Türe stellten. Freudig wedelnd nahm ich das großzügige Geschenk dankend entgegen - war ich mir doch sicher, dass sie mir ein paar Spiel- und Beißschuhe geschenkt hatten, damit sich mein Gebiss sorgfältig entwickelt. Da ich daran natürlich auch interessiert war, widmete ich mich allen Schuhen mit größter Hingabe. Gleich am nächsten Morgen küsste ich Herrchen und Frauchen mit einem feuchten Schlabber über das Gesicht aus ihren süßen Träumen wach, um mich für ihre fürsorgliche Gabe zu bedanken. Wider Erwarten reagierten sie beim Anblick der Schuhe nicht mit einem zärtlichen Lob, wie ich es eigentlich verdient hätte - schließlich hatte ich mir wirklich Mühe gegeben - sondern mit einem hysterischen Aufschrei und zwei Stunden Waschküchenhaft für mich.

So sind sie, die Menschen in der Vorweihnachtszeit. Von Tag zu Tag werden sie hektischer. Ich führe das in gewisser Weise auf die Kraft des Kranzes zurück. Er zieht die Menschen jedes Jahr wieder in seinen Bann. Mit großen Augen stehen Jung und Alt bewundernd vor diesem Kranz und lassen sich von dem Kerzenschein fesseln. Je mehr Kerzen auf dem Kranz brennen, desto aufgeregter werden sie. Besonders die kleinen Menschen reagieren sehr stark auf dieses Phänomen.

Für mich haben Herrchen und Frauchen in diesen Tagen immer weniger Zeit. Aber nicht nur, dass sie keine Zeit haben und des öfteren grundlos ihren treuen Hund schelten, nein, sie machen mir noch zusätzlich das Leben schwer. Bösartig verschließen sie Türen, die sonst immer offen stehen und tauschen meine muffige, gemütliche Hundedecke zu Dekorationszwecken - was immer das auch heißen mag - gegen eine rote kratzige aus. Das soll einer verstehen!

Am schlimmsten ist immer die Veränderung meines Frauchens. Vorige Weihnacht stand sie stundenlang mit wirrem Haar in der Küche und backte hellbraune Klümpchen. Ganz ohne Zweifel waren das leckere Hundecracker - sie sahen wirklich genauso aus wie auf meiner Hundefutterpackung. Seltsamerweise aber aß alle mein Herrchen. Ich hatte gar nicht gewusst, dass er so was überhaupt mag, denn meine alten Knochen, die ich ihm ab und zu angeboten habe, hat er alle verschmäht. Obwohl ich ihn also nun mit treuem Hundeblick und triefender Schnauze daran erinnerte, dass das ja eigentlich meine Cracker waren, ließ er sich nicht erweichen. Da ich aus Erfahrung wusste, dass er es auch nicht schätzt, wenn ich mit ihm aus einem Napf fressen will, musste ich mir meinen Anteil immer heimlich sichern. In der festen Überzeugung, dass wenigstens mein Frauchen solidarisch zu mir halten würde, was die von ihr gebackenen Hundekuchen anging, hatte ich keine Scheu, ihr vorzuführen, wie schmackhaft ich ihre Cracker fand. Aber auch in diesem Fall trat das Vorweihnachtssyndrom wieder in Kraft: Anstatt sich über meinen gesunden Appetit zu freuen, bekam sie wieder diese hektischen Flecken im Gesicht und ich einen Klaps auf mein Hinterteil.

Zum Glück waren die beiden recht einsichtig. Schon bald tat ihnen die Sache leid, und sie machten mir ein ganz besonderes Geschenk:

Einen wunderschönen dunkelgrünen Gassibaum!

 

Obwohl ich ja der Meinung war, dass das als Entschuldigung für ihr Fehlverhalten durchaus genügen würde, bestanden sie darauf, ihn noch mit bunten Kugeln und allerlei Leckereien zu schmücken. Insgeheim war ich ja schon immer ein wenig neidisch auf unsere dumme Katze, weil sie ihren eigenen Kratzbaum hatte. Aber gegen diesen geschmückten Gassibaum war der kleine Katzen-Kratzbaum natürlich nur ein schlechter Witz. Für diese Aufmerksamkeit war ich meinen Menschen wirklich dankbar. Um meine Verbundenheit sofort zum Ausdruck zu bringen, weihte ich meinen neuen Gassibaum gleich feierlich in ihrer Gegenwart ein! Das Donnerwetter, das daraufhin folgte, übertraf im Ausmaß alle bisherigen. Noch Tage später würdigten sie mich keines Blickes.

 

 

Also ehrlich, so langsam habe ich meine Hundeschnauze echt gestrichen voll von der Weihnachtszeit. Zum Glück ist ja bald alles vorbei. Dann fängt endlich wieder die friedliche, besinnliche Zeit des Jahres an.

 

Verfasser: unbekannt


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Kommentare: 1
  • #1

    Götz (Samstag, 14 Dezember 2013 09:21)

    Um so zu fühlen muss man nicht unbedingt vier Pfoten haben. Auch ich bin froh wenn endlich wieder andere Musik im Radio läuft als diese ewige Kaufhausaufzugsmusik. Um Ruhe zu finden brauche ich kein Weihnachten. Mir reicht dazu ein Trampelpfad durch einen Wald der von der Sonne durchflutet wird.

    Gruß Götz ( Weihnachtsmuffel)