Kein Weg zu weit

Jutta, Luna und Anton
Jutta, Luna und Anton

 

"Für einen guten Umweg ist mir kein Weg zu weit!", sagte sich Jutta  und begleitete uns samt Luna und Ferienpflegi Anton, dem flippigen Border Collie, auf der Teststrecke zur 7-Berge-Tour letzten Samstag in Nagold.

 

 

 

Wie Recht sie hatte!

 

Aus den geplanten 16 km wurden locker 21 ...

Seebronn, 9 Uhr:

Die Frisur sitzt und das Testtourenwetter steht dem der bisherigen Vorwanderungen nur wenig nach. Auf zur Testtour nach Nagold.

 

Nagold, 9:30 Uhr:

Die Frisur sitzt (noch). Es nieselt. Wir entschließen uns die Regenschirme mitzunehmen für den Fall dass das Wetter den für heute recht freundlichen Wetterbericht nicht gehört hat. - Welch weiser Entschluss!

Die ersten beiden Berge (Eisberg, Kühlenberg) lassen wir eisgekühlt links liegen. Die haben wir ja im Oktober schon ausführlich beschnuppert. Also gleich senkrecht rauf über das Kreuzertal und den Galgenberg umrundet. Unterwegs beglücke ich Jutta mit der freudigen Nachricht, dass ich sie für diese Tour zur Co-Wanderführerin auserkoren habe. Der Schreck sitzt. Jutta zückt den Fotoapparat und knipst "persönliche Wegweiser" und Merkpunkte en gros.

 

An der B28 machen wir den ersten Schlenker und gehen als geeichte Autofahrer erstmal bergab, um eine geeignete Überquerung der an dieser Stelle 4-spurige Herrenberger Straße Richtung Textilfachschule zu suchen. - Satz mit X ... also "keeeeehrt Marrrrrsch!!!" bergauf zurück und - siehe da, ein kurzes Stück weiter oben findet sich auf Höhe des Altenheims tatsächlich eine geeignete Fußgängerfurt. Augen auf im Verkehr lohnt sich!

auf dem Holzweg
auf dem Holzweg

Wir passieren die markante Niederlassung von "Schrauben-Würth", finden einen wunderbaren Abzweig-Merkpunkt ... und sind nach wenigen hundert Metern schon wieder mitten im Gestrüpp und auf dem Holzweg .

 

Getreu dem Motto "nochmal zurück bringt Glück!" nehmen wir neuen Anlauf und finden tatsächlich den richtigen Weg. Diesmal sind die Zeichen untrüglich!

ein schlauer Spruch vom ollen Morgenstern
ein schlauer Spruch vom ollen Morgenstern

Und so stapfen wir im sachten Frühlingsregen den Wolfsberg hinauf. Und zwar den echten. Was der Nagolder Volksmund heute "Wolfsberg" nennt, meint meistens nur das gleichnamige Industriegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft.

 

Wir würden ja gerne schon das erste Päusle einlegen, aber die triefnassen Bänke sind so gar nicht einladend. Dafür entdecken wir beim Weitergehen eine nette Idee des Bürgerforums Nagold, das den 7-Berge-Weg für die Landesgartenschau 2013 vorbildlich aufbereitet hat:

 

Überall entlang des Wanderweges hängen kleine Täfele mit netten Sprüchen, über die man beim Weitergehen meditieren - räsonnieren - oder sich einfach nur amüsieren kann. Zum Beispiel von Christian Morgenstern (siehe Bild).

 

Einen Satz von Henry Ford finden wir angesichts der aktuellen Lex-Wanderwölfe-Diskussion besonders passend:

"Gegen den Strom zu schwimmen ist deshalb so schwer, weil einem so viele entgegenkommen."

 

Naturschutzgebiet Ziegelberg
Naturschutzgebiet Ziegelberg

Kaum hat sich der Weg zwischen dem Wolfsberg und Oberen Steinberg hindurch geschlängelt, tut sich vor uns die wunderbare Hochebene des Ziegelbergs auf. Eigentlich ein idealer Platz, um die "Wölfe" toben zu lassen. AAAABER wiederum ein Satz mit X: Naturschutzgebiet!

 

Wie ernst Anwohner und Landschaftsnutzer diesen Naturschutz nehmen, sehen wir an den liebevoll mit Taschentuch-"Sahnehäubchen" verzierten Verdauungsendprodukten, die deutlich aus den Büschen leuchten und menschlichen Ursprungs sein dürften: Füchse benutzen kein Klopapier!

Außerdem blühen zahlreiche "Snickers"- und viele andere Plastikblumen.

Grüne Nieswurz
Grüne Nieswurz

Bloß weg hier!

 

Der Abstieg auf dem durchgeweichten, mit nassen Blättern bedeckten Pfad ist anspruchsvoll. Doch wir kommen unfallfrei ins Täle zwischen Ziegelberg und Auchtberg und wundern uns erstmal, welche Blumen (diesmal handelt es sich um echte Pflanzen) da so früh im Jahr schon blühen. Mit hellgrüner Blüte! - Sie werden uns auf unserer Tour noch öfter begegnen.

 

Erst die kräuterhexen-gründliche Internetrecherche am Sonntagmorgen bringt hervor, dass es sich um die hochgiftige Grüne Nieswurz handelt:

 

Also Finger und Nasen weg!

bei Iselshausen
bei Iselshausen

 

 

 

Vor lauter Blümchengucken gehen wir prompt schon wieder "falschrum".

 

Doch wir bemerken unseren Fehler nach wenigen Metern, korrigieren die Richtung und kommen über einen mit Drehkreuz gesicherten Bahnübergang auf schmalem Pfad hinunter nach Iselshausen. Auf dem letzten Stück kurz vor der Hauptstraße ist der Weg mit einem Handlauf "gesichert".

 

Den Versuch, mit dieser Unterstützung zusätzliche Trittsicherheit zu gewinnen, gebe ich zur Unfallvermeidung schnell wieder auf:

Die Konstruktion wackelt bedenklich!

Auf zum Lemberg! An der Häfelehütte wollen wir mittagrasten.

Wegen des ungemütlichen Wetters beschließen wir dann aber, einen kurzen Abstecher ins Naturfreundehaus zu machen und uns mit einer heißen Suppe aufzuwärmen.

 

Guuuute Entscheidung!

 

Als Folge eines eilig-spärlichen Wanderführer-Frühstücks in Verbindung mit der bisher ziemlich kräftezehrenden Tour läuft der Leitwölfinnen-Kreislauf leicht "Amok", versieht aber nach kurzem Abliegen auf der Bank in der warmen Gaststube und einer Tasse schwarzen Kaffee schnell wieder störungsfrei seinen bestimmungsmäßigen Dienst. - Danke an Jutta und an Familie Geisler für die fürsorgliche Betreuung. Ein Grund mehr, auch in Zukunft sicherheitshalber mindestens zu zweit auf Testtour zu gehen.

Stöttelehütte
Stöttelehütte

Kreislaufstabil und frohen Mutes machen wir uns an die beiden letzten Hügel, dem nieselpriemigen Wetter grad zum Trotz unflätige Lieder*) singend .

 

Auf der Alten Poststraße kommen wir über den Killberg zur Stöttelehütte. Für den anspruchsvollen Abstieg hinunter zum Ameisenpfad übernehme ich 30 kg vorpreschende Luna, während Paulchen brävstens bei Jutta und Anton geht. Die Sache geht auch gut ... bis 10 m vor Schluss. Da nehme ich elegant die Backenbremse. "Nix passiert!" kann ich gerade noch rufen, bevor die immer noch besorgte Jutta vollends den Herzkasper kriegt, und stehe schon wieder senkrecht.

 

Übrigens hatte sich Luna vorbildlichst hinter mir gehalten und war völlig unschuldig an dem Malheur!

 

Hohennagold
Hohennagold

Inzwischen ist es später Nachmittag. Als wir endlich die tolle Aussicht vom Schlossberg genießen, sind die Vorboten der Abenddämmerung schon deutlich zu erkennen. Auf zur Schlussetappe!

 

Aaaaber NICHT ohne nochmal einen Ehren-Umweg einzulegen.

 

Doch schließlich ist auch dieser erkannt, gebannt und wir kommen durch den Nagolder Stadtpark "Kleb" und die Landesgartenschau-piekfeine, blitzsaubere Nagolder Innenstadt zurück zu unserem Ausgangspunkt. Es ist kurz vor 18 Uhr. Längst dunkel. Hunde und Regenschirme sind klatschnass.

 

Aber wir sind alle quietschfiedel und auch ein bisschen stolz auf uns.

Das wird wieder eine schöne Tour für euch!

*) Ihr wollt also unbedingt wissen, was wir "Unflätiges" gesungen haben?

    Bittschön. Hier eine Hörprobe. Euren Ohren zuliebe nicht von uns intoniert.




27.04.2014

... (beinahe) über sieben Berge

Nagold, Parkplatz Güterbahnhof (links vom Bahnhof)

Wanderkarte             erste Fotos

 

Treffpunkt 1   09:00 Uhr
Start Nagold  09:30 Uhr 

 

  | 16 km | 500 hm

Rückkehr ca. 16:30 Uhr



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Kommentare: 3
  • #1

    Götz (Dienstag, 18 Februar 2014 06:24)

    Also irgendwie scheint es jemand von ganz oben witzig zu finden wenn zwei oder drei Wanderwölfe auf Erkundungstour gehen diese grundsätzlich vollzupinkeln. Das wär ja wieder was für Omino gewesen. Meine Fresse. Trotzdem wäre ich sooooo gern dabei gewesen.

  • #2

    Cordula (Dienstag, 18 Februar 2014 06:45)

    Ja, irgendwie drängt sich der Verdacht auf. - Das will ich alles gerne auf mich nehmen, wenn dafür das Wetter zur Hauptwanderung "wie gemalt" ist ...

  • #3

    Götz (Montag, 31 März 2014 09:22)

    Nachdem ich gestern einen waagrechten Abgang ins Gehölz machen dürfte hat heute Morgen auch noch mein SD Kartenleser den Dienst quittiert. Argh! Dauert also noch etwas mit den Fotos. Na ja. Zumindest liegen Gioia und Omino immer noch völlig platt in den Furzmulden. ;-))