Physik, 8. Klasse

 

Ist dir schonmal ein 90-kg-Mensch zwar aus Versehen aber trotzdem mit voller Wucht auf den Fuß gelatscht? Erinnerst du dich daran, wie unendlich erholsam es sich anfühlte als der Schmerz nachließ?!

 

Wie wäre wohl deine Reaktion, wenn dieser Grobian *auaaaa* statt deines Fußes den Hals deines Hundes träfe?

 

"Dem würde ICH ordentlich in den Hintern treten!", sagst du?
Dann viel Spaß bei diesem Kunststück!


Denn DU SELBST bist dieser Grobian,

wenn du deinen Hund am Halsband anleinst!


 

Was viele nicht wissen: Jeder gesunde Hund ist fähig, das 6-fache seines eigenen Körpergewichts zu ziehen. Mindestens. Aus dem Stand! Und dabei ist es ihm erstmal herzlich Würstchen, ob er/sie angeleint ist.  Die fatale Wahrheit: Zieht dein 15-kg-Hund "volle Pulle" am Halsband, wirken genau die gleichen Kräfte auf Kehlkopf und Atemwege und die empfindlichen Nackenwirbel.

 

6 x 15 = ???                     RICHTIG: 90 kg

 

Wenn dich der Tritt auf den Fuß schon schmerzte, wie mag es da erst deinem Hund gehen, der doch nix anderes will als dieser misslichen Lage entkommen. Am besten durch Flucht. So hat er's in den Genen. Und fügt sich - je heftiger er/sie in der Panik zieht - damit noch mehr Schmerzen zu.

 

Wenn ihr mich fragt: Jedesmal ein mittleres Schleudertrauma.

Und bei vielen Hunden garantiert nicht nur einmal pro Gassigang!

Nico, 03.2001
Nico, 03.2001

 

Ganz ehrlich? Ich hatte so ein Exemplar:

 

Den bild-schönen, leicht durchgeknallten Irish Soft Coated Wheaten Terrier "Nico" (04.1997 - 12.2011). Second-Hand-Hund, von seinem Erstfrauchen als flauschiger Welpe aus Mitleid vom Vermehrer-Wühltisch "gerettet" und dann von mir vor seinem Erstfrauchen "gerettet". Damit kam er zwar ein bisschen vom Regen in die Traufe, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Der liebe "Teddy" fürchtete sich vor vielem, zog wie ein Droschkengaul und schmiss sich öfter mal mit aller Kraft seiner 15 kg (siehe oben!) ins Halsband, um dem "Würgegriff" zu entgehen ... und würgte sich selbst fast zu Tode. Und ich Dussel, der ich damals noch war, hab ihn gelassen!

Kein Wunder wurde der Hund nicht ruhiger.

Kein Wunder, kriegte er's auf seine alten Tage im Kreuz!

Kein Wunder, hustete er wie ein Weltmeister.

 

Ach, wie oft hab ich - die zweibeinige Dusseline - ihn einen vierbeinigen Dussel genannt, weil er so zog.

Nico, 08.2009
Nico, 08.2009

 

 

Bis zu dem schönen Tag im Sommer 2002, an dem er - eher zufällig - ein (für meine damaligen Begriffe) nicht ganz billiges Neopren-gepolstertes Hundegeschirr kriegte. Es sollte sich als seeehr robust und langlebig erweisen und ist inzwischen in der zweiten Hundegeneration im Einsatz.

 

Von da an waren (fast) alle Zipperlein vergessen.

Selbst das Ziehen erledigte sich fast von selbst ...

 

Ach, hätt ich das vorher auch nur ansatzweise geaaaaahnt!!!

Ich werde ihm wohl ewig Abbitte leisten müssen, dem armen, mit mir als Second-Hand-Frauchen gestraften Zottel.

Paul und Jette, 08.2013
Paul und Jette, 08.2013

 

Jette und Paul jedenfalls danken ihrem lockigen Vorgänger, dass er nicht locker gelassen hat, bis die doofe Zweibeinerin endlich kapierte, worum es wirklich geht!

 

 

Macht's GLEICH besser als ich!

Wer einen Hund hat, der zieht, steigt besser gleich auf gut sitzendes Geschirr um. Das muss nicht mal teuer sein. Hauptsache, die Last verteilt sich großflächiger. Viele lobenswerte Beispiele und einen guten Überblick über die Vielfalt von Geschirren sehen wir sonntags bei den Hunden unserer Mitwanderer.

 

 

 

Übrigens:

Am Geschirr lässt sich auch ein größerer Hund leichter aus einer misslichen Lage "retten" (in den Fluss gefallen, irgendwo abgestürzt). Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, das am Halsband zu versuchen!

 

 

*seufz* Jedenfalls hoffe ich das.


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Kommentare: 7
  • #1

    Jutta (Montag, 24 März 2014 20:15)

    Hi Cordula,
    Ja wie gigantisch ist der Artikel, und du erzählst auch noch aus eigener Erfahrung.
    Aber auch Luna hatte so ein Trottelfraule, Flexileine und Halsband und wer weiß wie oft mit Karacho gestoppt worden,Schmerzen am Hals Kehlkopf, Stimmbändern und Schildrüse und Wirbelsäule und ein stumm leidender Hund......bis ich den Artikel über Contra Halsband in der Tierschutzzeitung gelesen habe! Seitdem ist Luna fast immer am Geschirr angeleint ,das war auch ihre Rettung als sie am 2 Weihnachtsfeiertag auf unserer Vorwanderung (Kochardtgraben ) ins Wasser fiel und vom Sog mitgerissen wurde....unvorstellbar hätte ich sie da am Halsband wieder rausziehen müssen! Wer es noch nicht glaubt das Halsbänder blöd sind darf sich gerne mal bei der Autofahrt den Anschnallgurt um den Hals legen......

  • #2

    Ingrid (Montag, 24 März 2014 21:14)

    Auch ich kann dem Club" Trottelfraule" beitreten.Bei uns hat Liesel unseren Hirnschmalz gefordert,nach einer gerissenen Flexi-Leine und dem anschließend schicken Schweitzer Halsband in dem sie sich beim Anblick eines Hundes die gurgel zuzog das kein beller mehr raus kam außer Husten -wir haben ja auch nicht lockergelassen -,haben wir ihr auf diese Weise beigebracht rückwärts zu ziehen und zack ist man das lästige Ding los. Nach dem 3.oder 4.Halsbandausbruch,sind wir auf das Hundegeschirr gekommen und durften dann erst mal vorwärtslaufen beim Anlegen dieses Teils üben. Aber erst das 2.Geschirr war dann das richtige,aus dem man nicht aussteigen konnte,und das trägt sie noch heute.Das schicke schweitzer Halsband trägt nun Hugo-mein Plüschhund aus Kindertagen.

  • #3

    Jutta (Montag, 24 März 2014 21:47)

    Ja und ich glaub so entsteht auch Leinenagrissivität beim Hund durch Halsband:
    Hund sieht anderen Hund, will hin , zieht am Halsband verspürt Schmerz ist aber auf anderen Hund fixiert, verbindet Schmerz mit diesem und wird im Wahrsten Sinne rasend vor Schmerz.....weil Hund verknüpft anderer Hund sehen gleich Schmerz...umso schlimmer wird jede weitere Hundebegegnung an der Leine....alles nur durch Doofihalsband u.U noch auf Entloswürgen eingestellt....
    Auch Luna hat schon eine Flexileine geschrotet armer Hundehals....und auch mein schönes teuer gekauftes Schweizer Hundehalsband liegt im Schrank aber Luna muss das Ding ,im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr am Hals haben.....

  • #4

    Cordula (Dienstag, 25 März 2014 06:41)

    @ Ingrid
    Ja, diese Liesel haben wir noch kennen gelernt ... seinerzeit ... im Eutingertal ... vor laaaaanger laaaaanger Zeit. Und heute: kein Vergleich! Weil sie seither viele positive, völlig schmerzfreie Hundebegegnungen hatte und weiterhin regelmäßig hat.

    @ Jutta
    Du ein Trottelfraule - als Frau vom Fach? Jetzt fall ich gleich vom Glauben ab!
    ABER: Wir haben ja alle mal klein (und dümmer als heut') angefangen ...

    Der Vergleich mit dem Anschnallgurt am Hals ist gut!
    Ich hatte erst ein drastischeres Selbstversuchs-Beispiel im Sinn. Würde mir aber ewig Vorwürfe machen, wenn sich dadurch jemand selbst einen Schaden zufügen würde. Dann wäre diese/r zwar ein noch größerer Dooofi als ich zu meinen Glanzzeiten - und auch noch selbst Schuld. Nach dem, was ich oben an Eigenerfahrung preisgebe, muss das dann zwar ein ausgesprochen selten dämliches Mitwesen sein. Aber "schlimmer geht immer".

    Also: Her mit den Geschirren!

  • #5

    Götz (Mittwoch, 26 März 2014 08:50)

    Gioia ist zwar unser erster Hund aber ein Halsband kam für uns beide nie in Frage. Nicht weil ich irgendetwas darüber gelesen hätte sondern einzig aus dem Grund weil ich es mir gut vorstellen kann wie ätzend so ein Halsband beim Spazierengehen sein muss. Ich vertrage schon keine Schals am Hals wie muss es dann erst mit Halsband sein. Und die Verknüpfung von anderem Hund und Schmerz den Jutta anspricht kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ein Halsband haben Gioia und Omino nur um wenn wir zu unserem Stammitaliener gehen. Da wäre ein Geschirr zu viel des Guten und dort liegen sie eh nur auf dem Boden und warten auf ihre Portion Schinken. ;-))

  • #6

    Ingrid (Mittwoch, 26 März 2014 20:49)

    Angepikst vom Video über Leinenführigkeit,hab ich natürlich bei meinen einsamen morgenspaziergängen angefangen das mal zu üben.Ich führe nicht mit der Leine sondern mit der Stimme,und siehe da es geht (zumindest bei einsam).Der zweite Übungsabschnitt hat sich beim Abendspaziergang in Bondorf ergeben,als ein Rudel Rehe unseren Weg kreutzte und es klappte auch,ich bin richtig erschrocken daß Liesel auf zuruf sofort umgedreht hat,und ich nicht als fliegende Ingi hinterhergesegelt bin( 6x19=114kg bei 42 kg=fly ingi fly). Um nicht den absoluten Höhenflug zu kriegen ,sind wir beim 3.Übungsabschnitt wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Liesel konnte dank ihrem GESCHIRR dem Rotti anständig die Meinung sagen. Also was bleibt weiterüben,üben,üben.(Oder doch wieder Halsband-wegen der Stille????) Späßle-Halsband nie wieder!!

  • #7

    Cordula (Donnerstag, 27 März 2014 06:33)

    "Flying Ingi" - DAS ist Kopfkino ==:o))

    Zwei gute von drei Versuchen ist doch gar kein schlechter Schnitt!
    Im Geiste seh ich euch schon bei den Top-Ten der best-eingespielten Hund-Mensch-Teams im ganzen großen Wanderwölfe-Revier. Nicht mehr lange, und es werden sich EINIGE ein positives Beispiel AN EUCH nehmen ...